Psychosoziale Fortbildung.
Wege zur betrieblichen Produktivität im kreativen Miteinander – Aus eigener Erfahrung als Angestellter, Mitarbeiter und Führungskraft weiß ich, daß sich kreative und produktive Energien in ungünstigen zwischenmenschlichen Konstellationen und bei unzulänglichen und hinderlichen Formen des betrieblichen Umgangs nicht entfalten können. Der Blick auf das gemeinsame Werk der Mitarbeiter geht im Gerangel um Kompetenzen und Privilegien und durch die Effekte von Mobbing verloren. Die Lust an der Arbeit kann sich nicht entfalten und die Arbeitskraft wird durch den Konsum leistungssteigernder Drogen künstlich stimuliert, beziehungsweise die Unlust als Reaktion auf verschiedenste Formen von Stress wird betäubt. Verkrustete Strukturen der betrieblichen Interaktion stören den Fluss der produktiven Energien. Unsicherheit im Umgang der verschiedenen Ebenen von Hierarchien behindern die gegenseitige Anregung durch den Austausch von belebender Kritik und den Transfer von Informationen.
Das Wissen vom konstruktiven Umgang mit zwischenmenschlichen Konflikten, von der Bedeutung der gegenseitigen Wertschätzung, von Wert der ungestörten Zentriertheit des Bewusstseins im Hier und Jetzt und das Verständnis von einer Verankerung jedes Individuums und jeder sozialen Struktur im lebendigen Kosmos, sind die Grundlagen für eine gesundes Arbeitsumfeld, in dem wir unsere Energien produktiv umsetzen können. Dieses Wissen wird an den Schulen und von anderen Bildungsträgern nicht oder wenn doch, noch viel zu wenig gelehrt. Es lässt sich nicht abstrakt vermitteln sondern nur im direkten Erlebnis. Dieses Lernen geschieht in Selbsterfahrungsgruppen, wird von dort in die Situation des beruflichen Alltags übertragen und entfaltet dann seine Wirkung in unserer Arbeit.
Stellvertretend für ein fortschrittliches Managament, daß sich der Bedeutung von Atmosphären und der Notwendigkeit von persönlichen Freiräumen bewußt ist, schreibt Heinrich v. Pierer der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG (1992-2005): Denn es sind die Menschen in ihrer ganzen Persönlichkeit, die Lücken sehen, Lösungen entwickeln und so das Neue in die Welt bringen. Dafür sind persönliche Freiräume und ein Vertrauensvorschuß notwendig. Daß der Mitarbeiter seine Arbeit motiviert ausführt, daß er Ressourcen verantwortungsbewußt nutzt, daß er unternehmerische Notwendigkeiten erkennt und beachtet muß vorausgesetzt werden. Denn nur so läßt sich eine Atmosphäre schaffen, in der Kreativität und Initiativkraft gedeihen.
Wo diese Voraussetzungen bei den Individuen jedoch nicht ausgebildet sind, liegt es nahe, Fortbildungsprogramme zu initiieren, die die notwendigen Entwicklungen in die Wege leiten.
In meinem Verständnis werden die entsprechenden Fortbildungsmodule paßgerecht für den Betrieb oder die Institution konzipiert und den Mitarbeitern über ein niederschwelliges Zutrittsangebot nahe gebracht.
Einen Transfer bewußtseinserweiternder Methoden, wie Musiktherapie es sein kann, zu den Menschen im Rahmen ihres Arbeitsplatzes, zum Beispiel in Unternehmen oder Behörden, kann ich mir ohne die ethische Komponente nicht vorstellen. (…) In entsprechend modifizierter Form könnten Angebote, die sich in der Musiktherapie entwickelt haben, die Lebensqualität von Mitarbeitern und die Empathie von Führungskräften verbessern, indem eine größere Spürsamkeit für die wahren Bedürfnisse ihrer selbst und ihrer Mitmenschen entwickelt wird.
Heinrich v. Pierer (1999) : Erfinden, entwickeln, unternehmerisch umsetzen – von der Idee zum Markterfolg – in: Wie kommt das Neue in die Welt
Tonius Timmermann (2003) : Musiktherapeutische Selbsterfahrung. Plädoyer für eine moderen Form von Seelsorge in der säkulären Gesellschaft, in Musiktherapeutische Umschau 1 Band 24 – 2003